Abschied von NIUS -- keine einfache Entscheidung
Abschied von NIUS – keine einfache Entscheidung
Es gibt Entscheidungen, die für das eigene Leben keine existenzielle Bedeutung haben und dennoch nicht leichtfallen. Für mich gehört die Entscheidung dazu, mein Abonnement bei NIUS nicht mehr zu verlängern.
Ich habe diesen Schritt nicht spontan, sondern nach reiflicher Überlegung vollzogen. Der Grund dafür ist nicht die journalistische Arbeit von NIUS – im Gegenteil. Gerade deshalb fiel mir diese Entscheidung so schwer.
Meine Kritik richtet sich nicht gegen NIUS insgesamt
Zunächst möchte ich eines klarstellen:
Ich halte die Arbeit von NIUS weiterhin für wichtig und notwendig. Das Medium hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Missstände aufgezeigt, politische Widersprüche offengelegt und Themen behandelt, die von vielen etablierten Medien entweder gar nicht oder nur unzureichend aufgegriffen wurden.
Für diese journalistische Arbeit habe ich großen Respekt. Diesen Respekt werde ich auch künftig behalten.
Gerade deshalb ist meine Entscheidung keine Absage an NIUS als Medium, sondern die Konsequenz einer Entwicklung, mit der ich mich immer weniger identifizieren konnte.
Warum ich mein Abonnement beendet habe
Der eigentliche Grund ist schnell erklärt:
Ich empfinde die immer wiederkehrende Darstellung meiner Generation – der sogenannten “Boomer” – als pauschal, ungerecht und diskriminierend.
Immer häufiger hatte ich den Eindruck, dass Menschen meines Jahrgangs nicht als Individuen betrachtet werden, sondern als Hauptverantwortliche für die heutigen Probleme des Rentensystems.
Dabei wird aus meiner Sicht übersehen, dass die meisten Menschen meiner Generation ihr gesamtes Leben gearbeitet, Steuern gezahlt und Beiträge in die Sozialversicherung eingezahlt haben – in dem Vertrauen, dass der Staat seine Zusagen einhält.
Die Debatte über die Boomer
Besonders deutlich wurde dieses Thema in den morgendlichen Live-Sendungen von NIUS.
Wer diese Sendungen regelmäßig verfolgt, wird wissen, wen ich meine. Ich habe deshalb auch kein Problem damit, die Namen zu nennen: Birgit Kelle und Julius Böhm.
Beide leisten aus meiner Sicht grundsätzlich gute journalistische Arbeit. Umso mehr irritiert es mich, dass sie immer wieder den Eindruck vermitteln, die geburtenstarken Jahrgänge seien die eigentlichen Verursacher der Rentenprobleme.
Ich kann diese Sichtweise nicht nachvollziehen.
Menschen meines Jahrgangs haben weder das Rentensystem entwickelt noch die politischen Entscheidungen getroffen, die über Jahrzehnte hinweg zu seiner heutigen Schieflage geführt haben.
Trotzdem entsteht in diesen Diskussionen immer wieder der Eindruck, wir seien diejenigen, die den jüngeren Generationen ihre Zukunft nehmen würden.
Diese pauschale Schuldzuweisung empfinde ich als ungerecht.
Warum ich dieser Sichtweise widerspreche
Die Realität vieler Menschen meiner Generation sieht völlig anders aus.
Nicht jeder ist in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen oder hatte ideale Startbedingungen. Viele Menschen mussten sich ihr gesamtes Leben lang ihren Lebensunterhalt hart erarbeiten, oftmals unter schwierigen familiären oder wirtschaftlichen Voraussetzungen.
Sie haben Beiträge gezahlt, ihre Kinder großgezogen und ihren Teil zum Funktionieren unseres Gemeinwesens beigetragen.
Deshalb empfinde ich es als falsch, heute ausgerechnet diese Generation pauschal für politische Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen.
Warum ich diese Sichtweise für grundlegend falsch halte, werde ich in einem gesonderten Artikel ausführlicher begründen.
Wie ich zu NIUS gekommen bin
Auf NIUS wurde ich nach dem Attentat von Solingen im Jahr 2024 aufmerksam.
Die Art der Berichterstattung, die Atmosphäre im Studio und die journalistische Aufarbeitung der Ereignisse haben mich damals sehr beeindruckt.
Seitdem gehörte NIUS zu meinen wichtigsten Informationsquellen.
Auch Journalisten wie Alexander Kissler, der später zum Team stieß, schätze ich bis heute sehr. Seine Analysen gehören für mich nach wie vor zu den großen Stärken des Mediums.
Warum ich künftig Apollo News unterstütze
Meine Entscheidung wäre mir vermutlich deutlich schwerer gefallen, wenn es für mich keine überzeugende Alternative gegeben hätte.
Diese Alternative heißt Apollo News.
Auch Apollo News versteht sich als investigatives Medium und hat sich in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Recherchen einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet.
Der Chefredakteur und Gründer Max Mannhardt steht aus meiner Sicht für eine junge Generation von Journalisten, die kritische Themen sachlich und engagiert aufgreift. Seine journalistischen Wurzeln liegen – soweit ich weiß – im Umfeld von Tichys Einblick.
Deshalb habe ich mich entschieden, künftig Apollo News finanziell zu unterstützen.
Statt mein NIUS-Abonnement zu verlängern, bin ich nun “Freund von Apollo News” geworden und habe den Betrag investiert, den ansonsten NIUS erhalten hätte.
Wie ich mich künftig informieren werde
Meine Entscheidung bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich NIUS künftig meiden werde.
Ich werde weiterhin Artikel lesen, den YouTube-Kanal verfolgen und mich über die Arbeit des Mediums informieren.
Allerdings werde ich mich auf die frei zugänglichen Inhalte beschränken.
Ob ich in Zukunft erneut ein kostenpflichtiges Angebot von NIUS nutzen werde, hängt davon ab, wie sich die Berichterstattung und insbesondere der Umgang mit meiner Generation entwickeln.
Bis dahin möchte ich Apollo News die Chance geben, mich journalistisch zu überzeugen.
Denn am Ende geht es mir nicht darum, einem Medium die Treue zu halten.
Es geht mir darum, mich unabhängig, kritisch und möglichst objektiv zu informieren – und dabei nicht ständig den Eindruck vermittelt zu bekommen, allein aufgrund meines Geburtsjahrgangs für politische Fehlentwicklungen verantwortlich zu sein.
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